Die Problematik weitreichender Entscheidungen / Können Teenager selbstständig über ihren Berufswunsch entscheiden?

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Ich wurde gefragt, ob ich glaube würde, das ein Teenager weitreichende Entscheidungen wie z.B. die Berufswahl treffen kann, oder ob es nicht besser wäre, wenn junge Menschen bis zum 20 Lebensjahr dafür Zeit hätten.

Das Thema ist natürlich nicht ganz einfach, aber ich versuche einfach mal meine Sichtweise darzulegen.

Grundsätzlich sind weitreichende Entscheidungen sehr schwierig, ganz egal wie alt man ist.

Früher wurde jungen Menschen die „Qual der Wahl“ weitestgehend abgenommen, da entschieden die Eltern wie es weiterging. Meist starteten die Jugendlichen dann mit 14 Jahren ins Berufsleben, oder besuchten weiterführende Schulen.

Das ist heute natürlich schon etwas anders. Wer nach der 10. Klasse die Schule verlässt, ist zumindest schonmal 16 Jahre alt.

Goethe brachte es einmal auf den Punkt, als er sagte: „Grau ist jede Theorie“. Wer die Schule abgeschlossen hat, hat vom Leben meist absolut keine Ahnung, hatte schlicht und einfach keine Möglichkeit um Lebenserfahrung zu sammeln. Das würde sich meiner Meinung aber auch nicht ändern, wenn er einige Jahre länger in der Schule oder in vorbereitenden Maßnahmen „geparkt“ würde.

Ich selbst kenne einige Leute, die im Grunde blind durch das Leben irren: Das erste studium wird begonnen und wieder abgebrochen. Das nächste Studium steht in den Startlöchern, gefolgt von einer Ausbildung usw.

Anstelle die Schule, bzw. die Zeit bis zum Berufseinstieg zu verlängern, würde ich lieber Elemente dem Lehrplan hinzufügen, die den Schülern ihre Talente und Stärken aufzeigen. Ein guter Schüler ist nämlich keinesfalls in jedem Fall immer ein Ass in jedem Beruf. Ich rede jetzt auch gar nicht von klassischer „Berufsberatung“, sondern eher von ganz allgemeinen Dingen. Z.B. könnten Praktiker aus unterschiedlichen Zweigen zu den Schulen kommen und in den Klassen etwas aus ihrem Berufsalltag erzählen. Das bringt mehr als eine Berufsbeschreibung aus dem Internet. Gleichzeitig könnten von den Schülern dann auch gezielt Fragen gestellt werden, die sonst vielleicht erst während der Ausbildung beantwortet würden.

Natürlich gibt es das klassische „Praktikum“, aber die Qualität davon variiert sehr stark und reicht von Kaffeekochen bis zum intensiven Training on the Job.

Um die Eingangsfrage ganz klar zu beantworten: Nein,ich glaube nicht das ein Teenager eine wirklich umfassende Entscheidung über seine berufliche Laufbahn treffen kann. Ich glaube aber auch nicht, dass das ein 20jähriger kann, der bisher keine Berufspraxis sammeln konnte.

Und hier schließt sich dann das Thema „weitreichende“ Entscheidungen insgesamt an. Wenn ich jetzt gefragt werde, was ich für eine Vorstellung von meiner Lebenssituation in 5 Jahren habe, dann habe ich natürlich eine gewisse Vorstellung davon. Ich habe aber auch gelernt, dass es oftmals anders kommt als man denkt. In 5 Jahren kann sich sehr viel verändern und Plankorrekturen erforderlich machen.

Ich halte eine Entscheidung, die für 40 Jahre (z.B. Berufswahl) gültig soll, für schlicht unmöglich.

Aus diesem Grund sollte man sich über seine Entscheidungen generell nicht so sehr den Kopf zerbrechen. Anstelle dessen sollte man sich für das entscheiden, das im aktuellen Moment „richtig“ ist. Wer auf eine optionale Zukunft spekuliert, kann sich kräftig verspekulieren.

In Deutschland werden Fehler schrecklich verteufelt, meist von Menschen die niemals die Verantwortung für etwas übernehmen, schon gar nicht für die Folgen ihres Verhaltens.
Wer etwas unternimmt, macht Fehler. Das Gute an Fehlern ist, dass man daraus etwas lernt und sein Verhalten durch richtige Entscheidungen verbessern kann. Viel schlimmer ist es, keine Entscheidung zu treffen und sich zu verweigern. Auch das stellt letztlich eine Entscheidung dar, aber keine besonders eigenverantwortliche.

Wenn Du keine Ahnung hast, in welche Richtung Du gehen sollst, dann geh`einfach los! Wenn sich die Richtung als falsch herausstellt – kein Problem, korrigiere Deinen Kurs! Nobody is perfect!